Newsletter Ausgabe 36 - Juni 2013

Theologia germanica - vom vollkommenen Leben

"Vom vollkommenen Leben" ist eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die seinerzeit von sich reden machte, noch bevor über Martin Luther die Reformation ausging. Luther selbst war von dieser Schrift so fasziniert, dass er sie selbst 1516 und 1518 herausgab. Der Verlag AMORC-Bücher präsentiert diese nach Luther als "Theologia germanica" bezeichnete Schrift zum 530. Geburtstag Martin Luthers in einer besonderen Neuausgabe. Als Einführung zu einem in der aktuellen Ausgabe der Tattva Viveka erschienenen Artikel über AMORC befassen wir uns mit Kant und der Frage: Was ist Aufklärung?

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

auf Martin Luther geht die Bezeichnung "Theologia germanica" zurück, unter der er die tiefgreifenden Gedanken der zunächst als Handschrift zirkulierenden Schrift "Vom vollkommenen Leben" mit einer eigenen Vorrede herausgab. Die Schrift handelt vom alten und vom neuen Menschen und davon, wie in den Menschen seine Erneuerung – Reformation – gelegt ist, wie er diese finden und sein Leben wandeln kann. Der Mensch kann in sich selbst das Gute finden und verankern, so dass er seine wahre Herkunft erkenne und sein Wesen vervollkommne. Letztendlich finden wir darin ausgesagt, dass jeder Friede vom Inneren des Menschen ausgehen muss, um den wahren, inneren Frieden zu erlangen, von dem die Rosenkreuzer sprechen. Dass dieser Weg nur über Christus gehen kann, versteht der Gottesmann Martin Luther auf die Person Jesu alleine bezogen. Der Rosenkreuzer weiß, dass man das Höhere in sich selbst erstreben muss, durch Arbeit an der Veredelung des eigenen Wesens. Zum 530. Jahrestag der Geburt Martin Luthers sei diese Schrift herausgegeben, auch zum Gedenken an diesen Menschen, der die damals verkrustete und sich selbst verherrlichende Kirche erschütterte und neues Denken ermöglichte: eine Reformation, die aber nur wirklich gelingen kann, wenn sie mit der Reformation des Geistes einhergeht.

Aktuelle Neuerscheinung zum Einführungspreis – Theologia Germanica – Vom vollkommenen Leben

Theologia Germanica – Vom vollkommenen Leben, Verlag AMORC-Bücher 2013, 300 Seiten, gebundene Ausgabe, ISBN 978-3-925972-23-2, Einführungspreis bis Ende Juni: 22.- €, später 26.- €.

Wir haben zur besseren Lesbarkeit und Überschaubarkeit den alten Text und den überarbeiteten und leicht lesbaren Text auf jeder Seite gegenüber gestellt, sodass sie letzteren stets auch mit dem ursprünglichen Text vergleichen können.

Was ist Aufklärung?

"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen […] dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Dass der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem dass er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, dass diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.

Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Missbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun."

So schreibt Immanuel Kant 1784 im Dezember-Heft der Berlinischen Monatsschrift und auch die Theologia germanica zeigt, wie für den Menschen zweierlei "Früchte" bestimmt sind, und wie er diese erkennen kann. Sie zeigt, dass der Mensch eine Kraft in sich trägt, die ihn als ein besonderes Wesen auszeichnet; dass er aber auch das Gegenteil in sich trägt und für seinen Weg eine Entscheidung treffen muss.

Aus diesem Grund schrieben wir in der letzten Ausgabe unseres Newsletters: "Wir müssen Position beziehen und uns entscheiden. Es hat wenig Sinn, sich nicht darüber klar zu werden, was man eigentlich will und diese diffuse Haltung dann als Offenheit zu bezeichnen. Wir müssen unseren Standpunkt bestimmen und uns nach unseren Idealen ausrichten." 

So bezieht auch AMORC Position zu den noch immer andauernden Verunglimpfungen in Wikipedia. Die eigentlichen Falschaussagen über AMORC sind weniger ein Problem als vielmehr die Tatsache, dass nur allzu häufig Information mit Wissen oder gar Weisheit verwechselt wird und man sich in künstlich geschaffenen Welten zu bewegen wähnt, ohne zu merken, dass man von diesen bewegt wird, sein eigenständiges Denken aufgibt und so sein Leben zu verpassen droht.

Wir müssen uns unserer besonderen Verantwortung als Menschen bewusst werden, uns ent-scheiden und das schöpferische Potential bewusst lenken, das uns der Kosmos ständig bereithält. Passivität und Neutralität bringen uns nicht weiter, im Gegenteil. Es ist besser, sich positiv auszurichten und geistig kosmische Kräfte der Unterstützung herbeizurufen, Kräfte, die ja nur darauf warten, durch uns kanalisiert und aufbauend eingesetzt zu werden.


Mit freundlichen Grüßen
AMORC - Die Rosenkreuzer

 
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